Mein persönliches Best of Pornfilmfestival Berlin 2016

Mein persönliches Best of Pornfilmfestival Berlin 2016

Der Kurzfilmpreis des 11.Pornfilmfestivals Berlins geht an einen Film der kein Porno ist und wo sind eigentlich die wilden Sexparties geblieben?
Wie jedes Jahr trafen sich Filmemacher*innen und Neugierige aus der ganzen Welt beim Berliner Pornfilmfestival ins Moviemento Kino in Neukölln. Ich war nun zum 8.Mal dabei und es war wie immer tierisch pornös, familiär und glitzernd. Zu sehen waren über 100 Filme aus zahlreichen Ländern. Unmengen an Kurzfilmen, einige Langfilme und hier und da gab es Workshops und Podiumsdikussionen. Erstmals auch VR Porn.

Warum geht man auf dieses Festival?

Für jeden ist es ein anderer Anlass zu kommen. Die einen reisen an, weil Sie einen Film gemacht haben. Das Treffen der Filmemacher gehört zu den Hauptartaktionen des Festivals. Zum anderen weil Menschen sonst nicht wissen, wo Sie alternativen Porn sonst im Kino sehen können und es auch seinen Reiz haben kann diesen gemeinsam mit 100 anderen Zuschauern zu sehen.
Es sollten zwei Filme laufen bei denen ich Kameraarbeit gemacht hatte. Und ich hatte beide jeweils noch gar nicht gesehen und freute mich auf die Weltpremiere auf der Kinoleinwand. Zum anderen war ich natürlich auf die Kurzfilme und die Dokumentarfilme gespannt. Insgesamt sah ich rund 30 Kurzfilme, natürlich auch den Wettbewerb und will nun meine drei Favoriten vorstellen.

Mein Lieblingskurzfilm war definitiv Henna und die Ketaboys von Meow Meow

Ich muss zugeben, ich kenne Theo Meow und arbeite neuerdings mit ihm, wie für unsere letztes Fotoprojekt. Aber nach Sichtung von so vielen Filmen muss ich einfach immer noch mir eingestehen: Ich musste bei diesem Film ständig lachen und über die vielen Details schmunzeln. Nicht nur das liebevolle DIY „Setdesign“, sondern tolle Dialoge, Spezialeffekte und ein guter Ton, wie man es sonst nicht vom Berliner alternative Porno kennt, erinnerten mich stark an den Stil von dem Erfolgsfilm SchnickSchnackSchnuck.pf_hannaundtheo
Eine actionreiche Kurzfilmkömodie mit satten 18Minuten Länge ohne Budget zu machen ist eine Leistung, die nicht so eben vollbracht ist und die wieder zeigt, das Story und Porn gut zusammen gehen können.
Ketaboys ist im Stil einer Serie gedreht. In der Folge „Das Spargelkomplott“, will Henna, die Alphafrau der Clique, die Welt mit einer selbst konzipierten Droge vergiften. Doch Konflikte in der Gruppe, aber vor allem ihre Eigensinnigkeit und andere Eskapaden stellen sich dem in den Weg. Der temporeiche Film taucht nur kurz in die schrille und etwas verkokste Welt der Ketaboys ein und bricht mit einer schönen kinken Sexszene zwischen den zwei Hauptprotagonisten . So ist es insgesamt nicht verwunderlich, dass das Publikum einen zweiten Teil einforderte, nachdem der Film voller Tempo und Witz mit einem offenen Ende endet. Wir freuen uns alle darauf.

Meine Lieblingsregisseurin und Kamerafrau war Francy Fabritz

Sie war mit zwei Filmen vertreten und es ist schwer zu sagen welcher besser war. Sie waren eigentlich beide großartig, aber konnten unterschiedlicher auch nicht sein.Der Kurzfilmwettbewerbsgewinner Etage X erzählt von einer intime Begebung zweier älterer Damen im Aufzug eines Kaufhauses.
Und obwohl Etage X kein Pornofilm ist, im Sinne des expliziten, berührt er die sexuellen Synapsen des Betrachters. Aber auch die grandiosen Schauspielerinnen, sind keine Unbekannten und glänzen mit enormen Sexappeal. Zum Erfolg der Geschichte trug sicherlich auch keine geringere als Manuela Kay bei, die am Drehbuch mitwirkte. Als Vorreiterin des Lebenspornos und auch Kuratorin des Festivals, weiß Sie wie wichtig ein gutes Kopfkino ist.

Übergabe des Kurzfilmpreises. Francy mit der Hauptdarstellerin.
Übergabe des Kurzfilmpreises. Francy mit der Hauptdarstellerin.

Aber Francy, welche zur Zeit Kamera in Berlin studiert, konnte auch mit einem weiteren Film punkten. Der lesbische Porno „Coming out of Space“ stellt Pornokonventionen auf den Kopf, spielt mit Sci Fi codes und zeigt wie sexy Körperfett sein kann. Im Grund geht es um zwei Frauen, die sich genüsslichen raufen, wir nennen das „Playfight“. Doch die Art der Inszenierung ist eher ungewöhnlich und sinnlich zugleich, da die Kamera wie auch Regie sehr genau wusste was Sie da tat……well done.

Enactone von Sky Deep  war die Überraschung des Jahres.

Mit Ernst und Witz, mit leisen und lauten Tönen, begleitet man einen queeren Vampir, gespielt von Sky Deep, durch eine Berliner Nacht. Ihr Durst nach Sex und Blut stehen leider ein wenig im Konflikt. Der tolle Soundtrack und die liebevolle Sexszene am Ende, runden das Gesamtkunstwerk ab. Wiedermal wurde bewiesen, wie man mit wenige (oder keinem Budget) etwas Unglaubliches auf die Beine stellen kann. Zumindest wenn es um Pornofilme geht.

Der Debütfilm von Sky Deep, fing 2014 als kleiner Kurzfilm an. Es war mein zweiter expliziter Drehtag, nachdem ich nach Berlin gezogen war. Es war auch meine erste Bondageerfahrung. Ich war sehr aufgeregt und gleichzeitig erstaunt von dem DIY Entusiasmus in der Berliner Queercommunity, wo man sich freiwillig in Schale wurf, Vampirzähne anklebte und zum Spaß sich zum Pornodreh trifft.
An zwei Drehtagen verwandelten wir ein Bondagestudio in eine kleine Gruft und drehten mit tollen Menschen eine der heißesten Szenen von Enactone. Leider wurde nicht alles wie geplant abgedreht.
Deshalb gab es eine kreative Denkpause und Sky holte sich die Filmemacherin Marit Östberg ins Boot und aus einer kleinen Geschichte wurde ein 50minütiges queeres Vampirabenteuer mit vielen tollen Performer*innen. Unheimlich begabte Kamera*menschen, wie auch zahlreiche Helfer und Statisten machten den Film zu einem extrem sehenswerten außergewöhnlichen Queerfilm.

Bei der Weltpremiere im Kino1.

Fazit

Es gab wieder mehr Filme als man sehen konnte. Aber zum Glück kann man einige davon ja irgendwann erwerben oder sie zum Beispiel auf einem anderen Filmfestival im Frühjahr sehen.
Ich wurde dieses Jahr nicht enttäuscht und muss sagen, das Niveau war erstaunlich hoch. Mit Kreativität oder Leichtigkeit waren viele Filme nicht nur lustig, sondern auch sehr bewegend.
Sehenswert fand ich zudem, Deepest Darkest von Lucie Blush, das Musikvideo Fuck First der Band Sticky Biscuits und der Dokumentarfilm die Sexarbeiterin. Besonders frisch und sinnlich, war auch der Film: Positive Lebenseinstellung, welcher eine „Special Mention“ gewann. Es gab eigentlich noch vieles mehr, dass vielleicht noch in Zukunft Erwähnung finden sollte.

Achja und gefeiert wurde auch und das jeden Abend. Ich muss aber anmerken, dass die offiziellen Parties am Freitag und Samstag gar nicht pornös waren.Insgesamt finde ich sie tatsächlich schon etwas sehr gewöhnlich – wie eine normale Samstagnachtparty. Sei es, weil keine pornöse Musik gespielt wird oder es keine expliziten Livesex Show mehr gibt. Aber zu gute halten muss man, dass wie immer das Ficken 3000 seine Pforten geöffnet hatte, und es dort wenigstens etwas Stimmung aufkam.
Und damit ihr nun in Stimmung kommt, hier eins der vielen tollen Musikvideos, die dieses Jahr auf dem Festival, das Herz erwärmten:

FOLSOM STREET from Folsom Street Events on Vimeo.