Mainstream vs.Kunst – Pornfilmfestival zeigt VR Porn

Das Problem mit Virtual-Reality Pornos ist folgendes: Sich Pornofilme mit einer VR Brille anzuschauen wäre sicher aufregender, wenn es denn entsprechende Inhalte gäbe! Das Pornfilmfestival Berlin 2016 war wie bei vielen Projekten erneut eine Plattform, bei der neue sexy Formate vorgestellt wurden.

Blicken wir kurz zurück: Anfang des Jahres 2016 ist VR 360°  in aller Munde. Samsung steigt erstmals mit der Gear VR Brille ein und versucht VR massenkompatibel, bzw. erschwinglich zu machen. Zu diesem Zeitpunkt existieren schon allerlei Gehversuche auf diesem Gebiet in der Pornoindustrie.

Bei einer kleinen Extrashow wurden im Oktober 2016 auf dem Pornfilmfest erstmals zwei künstlerische VR Pornos und einige Mainstream Produktionen ausgestellt. Bei einer Podiumsdiskussion konnte sich der interessierte Besucher detaillierter informieren.
und konnte sich ein Bild über kreative wie auch kommerziellen VR Projekte und Macher machen. Starten wir mit der Kunst:

VR Kunst mit Meerjungfrauen und einer netten Orgie?

Das ist beides in der Somos Gallery während des Festivals möglich gewesen. Der beim Sundance Festival präsentierte VR 360° Film Viens! von Michel Reilhac zeigt sieben Menschen, nackt in einem weißen, aber nicht ganz unbewegten Raum. Dieser experimentelle, mit 14 GoPros gedrehte Film ist eines der ersten ambitionierten Versuche Film und Erotik in einem 360° Raum neu zu erfahren.
Es beginnt schon beim Betreten der Installation: In einem Kissenlager, das mit Tüchern von den anderen Exponaten abgegrenzt ist, bekommt man von dem sympatischen Michel (gänzlich nackt) die VR Brille übergezogen. Nach einer Weile beginnt man selbst Teil der Performance zu werden. Man wird gedreht, oder man dreht sich selbst.installation Fragen kommen auf: Wird man Teil eines sexuellen Reigens oder einer Orgie? Vielleicht zieht man sich am Ende sogar selbst aus.

POV VR XXX von Maria Guta war nach der Schweizer Premiere, bei der La Fete du Slip, ebenfalls nun in Berlin zu sehen. Auffällig war, dass durch den Ortswechsel, die Installation für mich eine andere Wirkung hatte, als in der Schweiz am Originaldrehort. Das Projekt, das eine raumgreifende Installation darstellt – so meine ich –  gehört zu den spannendsten VR Installation, da hier mit viel Kreativität das Thema VR aufgriffen wird und das durchaus ebenfalls relevante Thema „eine VR Brille tragen” mit integriert.

pov

Wie gestaltet sich der kommerzielle VR Markt und rettet dieser die Pornoindustrie?

Auf dem VR Podium des Pornfilmfests im “Spektrum” nahe dem Kino kamen vier Personen zusammen, die neben kommerziellen Pornos nun auch in VR drehen. Was bedeutet das und wie sieht das Ganze aus?
Zu Wort kamen Michelle Flynn (Lightsouthern.com) Todd Glider (BaDoinkVR.com) Nina (Ersties.com)und die Macher von MetaverseXXX.com via Video aus Kanada.

Nach einer kurzen aber schönen Einführung des Moderators Falk Lux “was denn Virtual Reality überhaupt sei und das wir es ja schon viele früher hatten, als viele vermuteten”, begann eine 90-minütige Diskussion.

vrpanel
Todd, berichtete von den Hürden aber auch Erfolgen seiner VR Pornofirma DaDoink. Nach zahlreichen Tests und Versuchen, besonders bezogen auf die Kameratechnik und auch die Postproduktion, kam er zu dem Schluss, dass 180° im Bezug auf Porno vollkommen ausreicht. Michelle stimmte dem zu. Letztendlich bergen 360 Grad Produktionen soviel Hürden und wer würde schon gerne bei einem Porno die leere Zimmerwand sehen wollen?
Anders sah es Nina, die VR eher als Zusatzprodukt sieht. Bei einem 2D Pornodreh wird die 360 ° Kamera genutzt um ein Making of zu zeigen. Der Zuschauer taucht direkt auf dem Set auf und sieht nicht nur die Protagonisten, sondern auch die Kamerafrau und die Technik im Raum. Eben alles.
Damit unterscheidet sich das Produkt von „Ersties“ vollkommen von den POV (Point of View) Filmen, die Michelle und Todd vertreten. POV ist ein allseits bekanntes Stilmittel im klassischen Porno. Durch die VR Brille ist man meiner Meinung nach etwas näher am Geschehen. Statt auf einen quadratischen Kasten zu sehen ist man mehr drin als draußen, da VR einen immer etwas von der Aussenwelt abschottet. Einen “wahren” Mehrwert konnte ich für mich bei den Beispielen, die man am VR Stand antesten konnte, darüber hinaus nicht entdecken. Die Handlung war wahrlich wie sonst auch. Eine dem Klischee entsprechende Frau bedient einen Mann. Man befindet sich selbst in de Rolle dieses Mannes und hat als weibliche Betrachterin einen Penis (sicherlich für den ein oder anderen auch mal eine interessante Erfahrung). Eine Umkehrung erfuhr dieses Prinzip nur einmal in einer Produktionen von Michelle. Zur Abwechslung wurde auch mal eine Frau an die Stelle des Mannes gesetzt, allerdings eher in der Rolle der Voyeurin.

Am kreativsten gestalten sich die Ansätze der Gründer von MetaverseXXX.com, die besondere Mehrwerte wie Sexualerziehung oder Sexualtherapie durch VR betonen. Für ihre Pornofilmproduktionen entwickelten sie ihre eigene Kamera (!) und arbeiten stetig daran, Inhalte aber auch Technik weiterzuentwickeln. Alle ihre Filme sind konsensuell von ihren Darsteller*innen gestaltet worden und bieten somit die größte Bandbreite an sexuellem VR Content.

Ich finde dennoch alles noch enttäuschend. Es zeigt, dass sowohl von der technischen Seite wie auch hinsichtlich inhaltlicher Aspekte sehr wenig passiert ist. Es gibt kaum Filme und auch hier wenig Handlung…aber jede Menge Handlungsbedarf! Die Bildqualität ist bei allen Filmbeispielen sehr mäßig oder auch ruckelig.

Ich denke dennoch – und das bejahten auch die Podiumsredner*innen – das Porn und VR eine gute Partnerschaft in den nächsten Jahren führen werden. Sobald die Kameras besser und erschwinglicher werden, werden nicht nur mehr Künstler sich diesem Format annehmen sondern auch die vor allem jetzt noch fehlenden Zuschauer da sein. Irgendwann hat die breite Masse eine VR Brille zu Hause und Lust sich auf 360° Pornoerfahrungen einzulassen. Ist nur noch die Frage wann.

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