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Home > Katy Bit – Wer steckt hinter Cum Different?

Von der Sexbotschafterin zur Filmproduzentin.

Die Anfänge – Pornos in den 1990er Jahren

Ich erinnere mich an eine Zeit, als man sich Pornos in der örtlichen Videothek oder beim Nachbarsjungen ausleihen musste. Mädchen schauten Schulmädchenreport auf Sat.1, Jungs schauten gemeinsam auf Lan-Parties neben „World of Warcraft“ Pornofilmchen.
Seit dem ich das erste Mal mit 19 Jahren einen feministisch-queeren Porno im Kino sah, der mich cineastisch sehr beeindruckte, begann ich mich für Pornos dieser Art zu interessieren. Im Jahr 2000 gab es jedoch nicht dasselbe umfangreiche Angebot wie heute. Nur sogenannte Sexfilme boten eine Mischung aus Handlung und einem Teil Erotik. Die Pornobranche war um das Jahr 2000 noch wie in den 1980ern: eine schrecklich männerdominierte, immer wiederkäuende Abfolge gleicher Handlungsabläufe mit finalem Cumshot.

Bis heute ist alles wie zu Anfang, als der Pornofilm das Kino verließ und in die heimischen Wohnzimmer verschwand. Es wächst bloß kein Haar mehr zwischen den Beinen der Darsteller.

2008: Die Entdeckung des Pornfilmfestivals Berlin

Es dauerte nochmal acht Jahre, bis ich durch das Pornfilmfestival Berlin erneut auf feministische Filme aufmerksam wurde. Ich lernte Petra Joys Filme kennen, traf Erika Lust in Barcelona und schaute gespannt auf das queere Treiben von Courtney Trouble. Es hatte sich was bewegt.
Ich drehte deshalb 2009 einen Dokumentarfilm über vier Pornografinnen, die durch eine eigene Darstellung von Sex versuchten, das Genre zu revolutionieren.

Die Reflexion und der Austausch über Pornografie sind gesellschaftlich nicht etabliert, aber ich sehnte mich nach genau diesem Austausch. Ich wurde ‘Pornobotschafterin’, indem ich kurze Vorträge über feministische Pornos hielt und gemeinsam in kleinen Gruppen Pornos zeigte und darüber diskutierte.

2010: Erste eigene Gehversuche

Seit 2010 begann ich im Freundeskreis kurze Pornofilme zu drehen. Ich wollte wissen, wie es wirklich ist, Sex zu filmen. Auf was muss man achten, wo wird’s problematisch? Es war gar nicht so einfach und es warf auch immer wieder moralische Fragen auf. Viele Frauen verurteilten meine Entscheidung, Pornos zu drehen, weil Sie dachten, ich drehe klassische männliche „Wichsvorlagen“.
Aber die Filme waren eher Kunst und hatten nichts mit klassischer Pornographie zu tun. Es entstanden Schwarzlichtpornos, dokumentarische Undergroundpornos oder Erotikfilme. Ich begann ebenfalls, sehr spontan zu drehen: In einem belgischen Gemeindehaus oder in einer Karaoke Bar in Berlin. Artporn war definitiv ein interessantes Feld, aber auch eher ein etwas abseitiges Hobby. Meine kurzenArtpornos und das kleine feministische Pornoangebot weltweit befriedeten meinen Hunger nach geilen oder anspruchsvollen Filmen nicht umfassend. Auch wenn sich immer mehr Frauen auf der ganzen Welt trauen, Porno zu produzieren, ist es mir noch lange nicht genug und noch lange nicht alles erreicht.

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The next Step: Erste eigene Filmproduktion „Last Call“

Deshalb beschloss ich, während meiner Master Thesis über feministische Pornografie weiter zu gehen und mit mehr Aufwand einen Porno zu drehen. Ich wollte den „Games of Thrones-Porno “, das heißt tolles Licht, tolle Story und schöne Sexszenen.
Inspiriert von Erika Lusts ersten Pornos sowie den Erotikfilmen von Sergej Moya oder Xavier Dolan entwickelte ich mit Freunden und Darstellern den Kurzfilm Last Call. Last Call ist ein erotischer queerer Trip in die Unterwelt weiblicher Phantasien. Hier erprobten ich und mein tolles Team nur einige Facetten eines feministischen Filmes. Wir brainstormten über Monate und bezogen die Darsteller*innen mit ein. Die Möglichkeiten, Sexualität kreativ und erotisch umzusetzen, sind vielfältig und müssen weiterentwickelt werden. Meine Filme und Projekte sollen aber auch anregen, über das eigene Sexualleben nachzudenken. Sie unterscheiden sich stark von traditionellen „Wichsvorlagen“ und sollen auch ein aufklärerisches Element haben. Man kann von Pornofilmen lernen, wenn sie realistischer inszeniert sind.

Gleichzeitig, nach Beteiligung an vielen anderen Pornoproduktionen, fällt mir immer wieder auf, dass es enorme Schwierigkeiten mit sich bringt, bestimmte gestalterische Ansätze gut umzusetzen. Sex zu filmen ist eine große Herausforderung für alle Beteiligten, aber deshalb auch trotz der Flut an Filmen dieser Art eine spannendes Feld.
Meine Frage lautet deshalb: Wie viele gute Pornos haben sie schon gesehen?

Mit Cum Different möchte ich meine Arbeit als Filmemacherin, die meiner Kollegen und vieler weitere toller Menschen auf der ganzen Welt vorstellen und miteinander vernetzen. Es gibt auch schon einige Blogs, aber meiner Meinung nach noch immer nicht genug.

Nachdem viel Vorleistung durch große Vorreiterinnen wie Candida Royalle oder Annie Sprinkle geleistet wurde, sowie neue Größen wie Erika Lust und Courtney Trouble unser Sexleben bereichern, liegt es an uns dies zu fördern indem wir es konsumieren, rezipieren und weitertragen oder wir einfach selbst die Kamera in die Hand nehmen.

Du entscheidest!
Und Action!

Katy

PS. Melde dich für den Loveletter an, dann erfährst du wann „Last Call“ released wird und wenn neue tolle Projekte und Filme anstehen!

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